Europas Elektrifizierung braucht schnellere Netzinvestitionen, warnt ENTSO-E
ENTSO-E zufolge brauchen Europas Elektrifizierungspläne schnellere Netzinvestitionen, mehr Flexibilität, Speicher und kürzere Anschlusszeiten. Mehr als die Hälfte der bis 2030 nötigen Übertragungsprojekte wartet noch auf Genehmigungen.
EuroEnergy-Redaktion · 2 Min. Lesezeit · aktualisiert 17. Sept. 2026
Europas Übergang zu einer stärker elektrifizierten Wirtschaft wird deutlich schnellere Investitionen in die Stromnetze, mehr Flexibilität im System und kürzere Anschlusszeiten erfordern, so der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E.
In seiner Stellungnahme zum Elektrifizierungs-Aktionsplan der Europäischen Kommission begrüßte ENTSO-E, dass die Elektrifizierung als wichtiger Treiber der europäischen Dekarbonisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit anerkannt wird.
Der Verband warnte jedoch, dass der Ausbau von Elektrofahrzeugen, Wärmepumpen, industrieller Elektrifizierung, Rechenzentren und Elektrolyseuren die Strominfrastruktur Europas zusätzlich belasten wird.
Drei Prioritäten für das europäische Stromsystem. ENTSO-E nannte drei wesentliche Bedingungen für den Erfolg der europäischen Elektrifizierungsstrategie:
- Schnellere Investitionen in die Übertragungsinfrastruktur, gestützt auf angemessene Finanzierung und stärkere europäische Lieferketten.
- Mehr Flexibilität bei Stromerzeugung, Verbrauch, Speicherung und Netzbetrieb.
- Ein besseres Management der Netzanschlussanträge, um Verzögerungen für Verbraucher und neue Energieprojekte zu verringern.
ENTSO-E zählt das Netz zu den wesentlichen Säulen eines wettbewerbsfähigen, sicheren und nachhaltigen Europas: Jedes Elektrofahrzeug, jede Wärmepumpe und jeder neu elektrifizierte Industrieprozess hängt von einem widerstandsfähigen, bezahlbaren und flexiblen Stromsystem ab.
Mehr als die Hälfte der wichtigen Netzprojekte wartet noch auf Genehmigungen. Die Genehmigung bleibt eines der größten Hindernisse für den Ausbau der europäischen Strominfrastruktur. Laut ENTSO-E wartet mehr als die Hälfte der bis 2030 benötigten Übertragungsprojekte noch auf Genehmigungen.
Schnellere und klarere Genehmigungsverfahren werden daher nötig sein, wenn Europa neue erneuerbare Kapazitäten, industrielle Verbraucher und Speicheranlagen rechtzeitig anschließen will.
ENTSO-E unterstützt auch die Einführung eines indikativen europäischen Elektrifizierungsziels für 2040. Ein solches Ziel könnte Regierungen, Netzbetreibern und Investoren mehr Sicherheit geben und zugleich jedem Land seinen eigenen Umsetzungsweg lassen.
Die Stromnetze im Zentrum der europäischen Energiewende. Europas Übertragungsnetze werden eine immer variablere erneuerbare Erzeugung mit einer wachsenden Stromnachfrage in Einklang bringen müssen. Grenzüberschreitende Infrastruktur, intelligentes Laden, Vehicle-to-Grid-Lösungen, Speicher und Lastmanagement dürften immer wichtiger werden.
ENTSO-E zufolge müssen künftige Maßnahmen die sektorspezifischen Elektrifizierungspläne mit dem Netzausbau abstimmen. Ohne ausreichende Investitionen, schnellere Genehmigungen und eine unterstützende Regulierung könnte sich die großflächige Elektrifizierung verzögern und das europäische Stromsystem zusätzlich belasten.
Quelle: ENTSO-E — Delivering on the Electrification Action Plan. Die grenzüberschreitenden Flüsse, live, auf der Europakarte.
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